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Leben in einer WG – ein Adieu

Gestern habe ich euch schon meine Eindrücke vom Leben in der Schweiz mitgeteilt, heute geht es um das Leben in einer, Leben in meiner Wohngemeinschaft.

Leben in einer Wohngemeinschaft

In der Türkei und Budapest hatte ich bereits erste WG-Erfahrungen gesammelt, doch das Zusammenleben war da nie auf längere Dauer ausgelegt. Bei der WG-Besichtigung lernte ich im letzten Jahr nur einen von drei Mitbewohnern kennen, doch er war so nett, dass ich noch am gleichen Tag zusagte. Und ich habe es nicht bereut, denn trotz einiger besonders erster Schwierigkeiten möchte ich meine Mitbewohner nicht mehr missen. Gemeinsame Abende in der Küche werden mir sehr fehlen, doch ich komme zu Besuch.

Nicht mehr in einer, in dieser, WG zu leben, bedeutet auch:

  • Bald werde ich mich nicht mehr wundern müssen, wohin einige Schüsseln und Gabeln verschwinden. Manche tauchen im Zimmer des ein oder anderen wieder auf, doch Vieles bleibt ewig verschollen.
  • Bald ist ein Putzplan kein Thema mehr. Einen Putzplan würde ich jedem empfehlen, denn die hygienische Schmerzgrenze ist bei jedem anders, verloren hat der mit der niedrigsten? Mit einem Plan reduziert sich der Ärger deutlich. Am besten redet ihr auch über eine mögliche Konsequenz, z.B. dass derjenige, der den Putzdienst verpasst, für die WG kocht. Ich fand das Thema besonders am Anfang sehr schwierig, denn darüber mit dem Partner zu reden ist ganz anders als mit einem noch fast fremden Mitbewohner.
  • Bald werde ich nicht mehr über schwarze Müllsäcke stolpern, die noch darauf warten frankiert und runtergebracht zu werden. Dann sind es kleine Plastiktüten.
  • Bald redet mir kein Marcel mehr mein Essen schlecht, weil es zu zitronig ist oder schon zu lange im Kühlschrank liegt (auch wenn ich es am Tag zuvor erst eingekauft habe). Und ja, er muss jetzt namentlich mal genannt werden, er versteht das. Und löffelt mit Begeisterung dennoch alles weg, was ich gekocht habe und was „übrig“ ist.
  • Bald prallen nicht mehr bereichernd verschiedene Geschmäcker von Musik und Film in der Küche aufeinander.
  • Und bald werde ich im Bad keinen Hitze- oder Kälteschock mehr bekommen, wenn der eine Mitbewohner die Heizung voll aufgedreht oder der andere das Fenster offen gelassen hat. Oder auf dem Klo feststellen müssen, dass der Vorgänger das letzte Fitzelchen Klopapier aufgebraucht hat – argh!

Bald lächeln mich meine beiden Lieblings-Mitbewohner nicht mehr irritiert an, wenn ich ihnen frühmorgens (also nicht zu meiner Zeit) auf dem Weg ins (zu warme oder zu kalte) Bad begegne oder setzen sich nicht zu mir, wenn ich mir den weltbesten Quark zusammenmische oder das Gemüse für das Abendessen klein schneide. Bald fragt mich niemand mehr mit einem Augenzwinkern nach dem „Aufreger des Tages“, weil er glaubt, dass das ein Zeichen dafür ist, dass ich glücklich bin.

Ich verabschiede mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge und bin ganz zuversichtlich, dass mein Freund die Lücke ein wenig schließen wird.

Trennlinie

Bald? Bald ist morgen, denn schon heute sitze ich auf gepackten Kisten und verlasse das WG-Zimmer in Kreuzlingen, das mir zusammen mit meinen Mitbewohnern in den letzten neun Monaten richtig ans Herz gewachsen ist. Eine Zeit, die ich nicht missen möchte. Von der Kleinstadt auf der Schweizer Seite der Grenze, direkt neben der Großstadt Konstanz, ziehe ich wieder zurück auf die andere Seeseite in Sichtnähe der Großstadt Konstanz, in der nicht nur  meine Uni steht, sondern sich auch mein Freundeskreis bewegt.

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Ein Kommentar

  • Antworten
    This was March » ÜberSee-Mädchen
    3. April 2014 um 13:08

    […] Kurs zum Dokumentarfilm und schrieb eine Hausarbeit, und dem Abschied von der Schweiz und meinen Mitbewohnern. Über eure Kommentare dazu habe ich mich übrigens sehr gefreut, besonders von den Schweizern! […]

  • Ich freue mich über Feedback <3