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Leben in der Schweiz – ein Adieu

Bald werde ich nicht mehr die gelben Zebrastreifen auf dem Weg nach Hause überqueren und dabei meine Lieblingslieder lautlos mitsingen, während die Autofahrer bereits viele Meter vor dem Zebrastreifen freundlich lächelnd anhalten. Denn bald ist es nicht mehr mein Zuhause. Warum das? Weil ich wieder umziehe. Und warum sind die Zebrastreifen gelb? Weil ich bisher in der Schweiz wohne…

Statt eines Wochenrückblicks habe ich euch diese Woche ein zweiteiliges Adieu vorbereitet, ein paar abschließende Worte zum Leben in der Schweiz und zum Leben in einer Wohngemeinschaft, heute der erste Teil:

Leben in der Schweiz

Die Schweiz ist anders, das erkannte ich bald nach meinem Umzug. Doch warum bin ich überhaupt hergezogen? Ich wollte wenigstens ein Semester das richtige Studentenleben in einer WG kennenlernen, ohne beim Feiern immer fahren und Verabredungen im Café ewig planen zu müssen. Bei der Zimmersuche wurde ich überraschend schnell fündig und fand in der Schweiz ein schönes Zimmer [zu sehen hier] zu einem guten Preis, denn gerade wenn sich die Miete auf mehrere Schultern verteilt, ist Kreuzlingen überraschend günstig (vielleicht weil Konstanz fast unverschämt teuer geworden ist). Also zog ich in die Schweiz, jedoch nicht problemlos: Beim Zoll musste ich die Ladung meines Transporters angeben und den Mietvertrag vorweisen, bei der Gemeinde musste ich zudem eine Bürgschaft meiner Eltern vor- und eine Krankenversicherung nachweisen. Damit ich dem Staat nicht zu Lasten falle. Da fängt es an, das merkwürdige Verhältnis der Schweizer zu Ausländern. Merkwürdig für jemanden, der den deutschen Sozialstaat gewohnt ist.

Nicht nur, dass die Schweizer mit Leidenschaft ihren hart klingenden Dialekt pflegen und die Währung anders ist, das sind die ersten und deutlichsten Zeichen für den Grenzübertritt. Die Schweiz ist anders, weil sie anders sein möchte. Das fängt bei Dialekt und Währung an, reicht über die eigenartige Mülltrennung und gelbe Zebrastreifen bis zu einem merkwürdigen Verhältnis zu Ausländern. Ihr merkt schon: Die Schweiz war mir fremd, obwohl sie sehr sehr nah ist. Und auch ich bin hier eine Fremde, eine Ausländerin mit Ausländerausweis. Den „Fremdenhass“, der besonders in den letzten Wochen durch die Medien ging, bekam ich allerdings nicht zu spüren und man darf nicht vergessen, dass hier viele Deutsche arbeiten, weil das Lohnniveau deutlich höher ist – alles hat Vor- und Nachteile.

Unterschiede zu Deutschland zeigen sich besonders im Alltag: Der Müll wird nur in Papier und Nicht-Papier getrennt, d.h. Plastik-, Bio- und Restmüll kommen in eine Tonne. Beziehungsweise Tüte, denn Tonnen gibt es hier nicht. Den Papiermüll muss man daher sammeln und zu einem Paket geschnürt zur Abholung rauslegen, doch diese Termine sind immer an mir vorbei gegangen und ich musste den Müll dann Freunden & Familie nach Deutschland mitgegeben… Es gibt auch keine Müllgebühren, dafür kauft man im Supermarkt Müllmarken oder bereits „frankierte“ Mülltüten. Pfand gibt es auch nicht, aber man trägt die Plastikflaschen trotzdem brav in den Supermarkt, um nicht die teuren Mülltüten unnötig zu füllen. Im Supermarkt kaufe ich mir bis auf Sprudel übrigens sehr selten etwas, denn nicht nur das Lohn-, sondern auch das sonstige Preisniveau ist deutlich höher. Dafür ist Benzin relativ günstig. Zahlen kann man übrigens besonders im Grenzbereich überall mit Euros, als Rückgeld bekommt man dann allerdings Franken.

Der größte Vorteil neben der günstigen Miete: Die Mehrwertsteuer. Denn aus mir unerfindlichen Gründen erhalten die Schweizer die Mehrwertsteuer vom deutschen Staat zurück und davon profitiere auch ich. Die 19% auf alles habe ich in den letzten Monaten deutlich genutzt – einerseits verführt es zum Kauf, weil man ja dabei quasi spart, andererseits kauft man aber auch bewusster, da man sich von Rabatten nicht mehr so leicht locken lässt. Bei all dem nicht zu vergessen: Die Schweizer sind freundlich!, wenn man ihnen freundlich & offen begegnet. Und wenn sie nicht in Deutschland einkaufen.

Trennlinie

Fast prägender als das Leben in der Schweiz war für mich das Leben mit Mitbewohnern, die ich bis dahin nicht kannte, doch dazu morgen mehr.

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8 Kommentare

  • Antworten
    One Moment
    23. März 2014 um 09:04

    Schön geschrieben.

  • Antworten
    Ariana
    23. März 2014 um 14:17

    Ich musste beim Lesen dieses Beitrags mehrmals schmunzeln – als Schweizerin 🙂
    Witzig finde ich, dass Du den Dialekt als hart empfindest. Die meisten Schweizer empfinden eher Hochdeutsch als hart – also genau umgekehrt.
    Liebe Grüsse
    Ariana

  • Antworten
    Charlotte
    23. März 2014 um 16:44

    Ich hab schon gelesen, dass du kurz vorm Umzug stehst. Ich wünsch dir alles Gute, dass alles reibungsfrei über die Bühne geht. Irgendwie ist die Schweiz Österreich sehr ähnlich (denke ich), ich wollte schon so oft dort Urlaub machen aber mich haben die hohen Kosten in Restaurants etc. immer abgeschreckt. Aber irgendwann ziehts mich bestimmt wieder dort hin, ich war nur mal ein paar Tage in Davos und habe es sehr genossen!

  • Antworten
    marina
    24. März 2014 um 07:27

    Wie? Die Schweizer bekommen die Mehrwertsteuer von Deutschland zurück erstattet?! Dein Ernst? Wie was what? 😀 Muss man das verstehen?:D
    Komisch. Und das mit Bio,Plastik &so in einer Tüte hätt ich jetzt auch nicht gedacht.. total nicht umweltfreundlich 😮
    Aber ansonsten hört sich das echt schön an, wie du das so schreibst. Freu mich schon auf den nächsten Teil 🙂

    • Antworten
      ÜberSee-Mädchen
      27. März 2014 um 12:38

      Ich weiß nicht warum das so ist, aber es ist sehr praktisch, wenn man davon profitiert. Und für Schweizer lohnt es sich richtig, weil die Waren bei denen ja sowieso deutlich teurer sind. Andererseits hält es den Zahlungsverkehr an den Kassen natürlich ziemlich auf und strapaziert die Nerven derer, die keine MwSt. zurückbekommen…

  • Antworten
    Leah
    25. März 2014 um 08:49

    Ist immer wieder spannend zu hören, wie die Schweiz von Menschen wahrgenommen wird, die nicht ihr ganzes Leben hier verbracht haben. Dass du das Beispiel Abfall aufführst, finde ich irgendwie witzig. Papier und Pappe zusammen zu binden und nach draussen zu brigen, gehört für mich als Schweizerin so zum Alltag, dass ich noch nie einen Gedanken daran verschwendet habe.

    • Antworten
      ÜberSee-Mädchen
      27. März 2014 um 12:36

      Eine klare Gewöhnungssache 😀 Wenn man es als Deutsche gewohnt ist, eine Tonne zu haben, ist es ewas absurd das Papier zu Päckchen zu schnüren…

  • Antworten
    This was March » ÜberSee-Mädchen
    3. April 2014 um 13:07

    […] ich belegte einen Kurs zum Dokumentarfilm und schrieb eine Hausarbeit, und dem Abschied von der Schweiz und meinen Mitbewohnern. Schweiz wie Mitbewohner sehe ich natürlich wieder, bis dahin lasse ich […]

  • Ich freue mich über Feedback <3